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Film Glocke in der Kapelle

Glocke in der Kapelle der Tagungsstätte

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Haus der Kirche - Evangelische Akademie Baden
Dobler Str. 51
76332 Bad Herrenalb
Tel   07083/928-0
Fax 07083/928-601
hausderkirche[at]hdk[dot]ekiba[dot]de

Nachrichten

Kapelle im „Haus der Kirche – Evangelische Akademie Baden“

I. Der Raum

Die Kapelle im „Haus der Kirche - Evangelische Akademie Baden“ (Bad Herrenalb) wurde mit dem Umbau der Tagungsstätte 1995 – 1997 gleichfalls neu gestaltet. Die künstlerische Ausgestaltung der Kapelle wurde dabei zu den architektonischen Vorgaben von Kirchenbaudirektor Horst Wein (Karlsruhe) in Beziehung gesetzt. Diese waren bestimmt durch die – aus Kostengründen – erforderliche Beibehaltung der Mauern der früheren Kapelle.

Das Pultdach nimmt die Architektur des Hauptgebäudes in der Gesamtanlage der Tagungsstätte auf. Das ermöglichte, einen Obergaden als Lichtquelle für den Gesamtraum und die Trägerkonstruktion für das Dach sichtbar und dabei leicht zu gestalten. So vermittelt die Kapelle den Eindruck von Moderne und führt in eine Welt, die dem Besucher aus der Arbeitswelt industrieller Gebäude vertraut ist. Der Gesamtraum wirkt mit seinen kühlen Farben entmaterialisiert – transzendent – als Gegenraum zu den übrigen Räumen des Hauses, die in warmen Farben gehalten sind.

Wird in diesem gottesdienstlichen Raum nur Gewohntes und „Gemütliches“ gesagt und erlebt werden – oder vermitteln Architektur und Farbe vielleicht eine Frische, die Menschen mit neuer Spannung hören lässt?

II. Die Fenster

Mit der Gestaltung der Glasfenster wurde Johannes B. Hewel, Jahrgang 1947, beauftragt; Schüler und Nachfolger auf dem Lehrstuhl des Hans Gottfried von Stockhausen an der Kunstakademie Stuttgart. Der Glaskünstler hat sich vor allem mit den 37 Fenstern im Obergaden auf die Architektur des Raumes eingestellt.

  1. Hewel verwendet – in der Tradition seiner Kunstrichtung – Antikglas, aber auch und bewusst Industrieglas, ein Alltagsgut unserer Zeit. Er stellt Materialien der modernen Arbeitswelt in den Dienst liturgischer Aussage. Bei der Gestaltung der Motive arbeitet Hewel mit sehr unterschiedlichen Techniken: Malerei in Siebdruck, Airbrush eingebrannt, Mattierung und plastische Ausarbeitung durch Sandstrahl. Hewel zählt, auch international, zu den bekanntesten Künstlern im Bereich heutiger Glasbildnerei.
  2. Die Aussage des glasbildnerischen Gesamtwerks entfaltet sich von dem Altarrelief her: Zwei, nach einem Linolschnitt, in Beton gegossene Figuren, umrahmt von floralen und geometrischen Formen, bündig in die Wand eingefügt und nur durch zurückhaltende Akzente von Bemalung hervorgehoben.
    „Kommunikation“ – Motiv für einen Ort, an dem Begegnung von Menschen mit Gottes Wirklichkeit angesagt ist. Dem Betrachter, zum Assoziieren angeregt, wird deutlich, dass die Figuren aufeinander bezogen sind. Es sind nicht notwendigerweise Menschengestalten – eine von ihnen berührt nicht den Boden, ist etwas erhöht. Verkündigung an Maria oder der Besuch der Engel bei Abraham? Mit den Figuren könnte aber auch „Kommunikation“ zwischen Gruppierungen in Kirche und Gesellschaft und damit ein Austausch von Überzeugungen dargestellt sein. Vielleicht sind es aber doch auch einfach Menschen, die – wie Nikodemus und Jesus – miteinander sprechen; oder die Begegnung in Emmaus. Vielleicht aber auch Menschen von heute, die miteinander das Heilige Abendmahl – der Altartisch nimmt Maß und Form vom Tisch im Relief auf – feiern. Über den Figuren liegt die nicht voll sichtbare, aber doch immer in ihrer Vollkommenheit vorhandene Fülle von Gottes Gnade – oder sind es doch: Sterne und der halbe Mond?
  3. Dieses Grundmotiv kehrt wieder in den gelben Fenstern in der Wand links und in dem rötlich gehaltenen Fenster auf der Empore – dem Fenster mit der Nachricht „nach draußen“, in die Tagungsstätte hinein; beide Fenster haben das gleiche Maß wie das Altarrelief. Sie verbinden, mittelalterlich anmutend, mehrere Bilder miteinander: Die Linien, Zweige, Blüten aus dem Altarrelief werden wieder aufgenommen, werden zu eigenen Bildern entfaltet.

    Diese Symbole werden auch in den Fenstern im Obergaden aufgenommen. Dort erschließt sich dem Betrachter vor allem der Vierpass in der Fülle von Farben und Lichtspiel. Die Vierpässe erinnern, gewollt oder nicht, an die gotischen Dome, erinnern daran, dass in dieser Kapelle in Bad Herrenalb das gleiche Evangelium verkündigt wird wie seit fast tausend Jahren in der Klosterkirche unten im Ort. Sie erinnern daran, dass wir eingebunden sind in die Geschichte des christlichen Abendlandes und damit in die Gemeinde Gottes weltweit. Der Vierpass begegnet uns als Ganzes, in Teilen, in Punkten, in Positiv- und Negativformen, in Farbe und – vor allem in dem rechten Obergadenfenster – in Nicht-Farbe. Neben diesen Zeichen aus der Vergangenheit Zeichen der Gegenwart: Zeichen für den Menschen in der Fülle seiner Beziehungen, Bilder auch des vereinsamten Menschen. Zeichen von Heil und von Zerstörung.
    Die sich, auch tageszeitlich, ändernden Lichtverhältnisse und wechselnden Standorte des Betrachters lassen das Spiel mit dem Vierpass und vereinzelt mit den anderen Formen des Grundmotivs unterschiedlich erkennbar werden. Der Künstler ermuntert zu genauerem und geduldigem Hinsehen als Gegenhaltung zur vordergründigen und schnelllebigen Sichtweise in der Bilderflut unserer Zeit; manches erschließt sich erst beim dritten Hinsehen.

  4. Als Krönung oder als Anfang, wie er dem Betrachter beim Betreten der Kapelle entgegenkommt, wird oft das Fenster in der Nische auf der linken Seite der Altarwand erfahren. Blau, in der Masse gefärbtes tiefblaues Glas, mundgeblasen, mit Bleiruten in der Technik mittelalterlicher Glasfenster. Kostbar. Mit den floralen und geometrischen Formen auch hier Elemente aus dem Altarrelief – und links unten wie eine Überraschung, eine Ausnahme: das orangefarbene Rechteck. Die Fenster im Altarraum stehen in Beziehung – ihrerseits in „Kommunikation“ – zueinander: Antikglas zu Industrieglas; das in sich ruhende Quadrat in der Farbe, die von altersher als Symbol für Gottes Ewigkeit steht, zu dem Fenster, in dem eine ganze Welt – auch ein Indianer – auftaucht. Der Himmel und die Erde? Gott und seine/unsere Welt?

III. Die Orgel



Seit Oktober 2001 wird in der Kapelle mit einer von Johannes B. Hewel gestalteten Orgel ein besonderer Akzent gesetzt. Die Orgel der Waldkircher Firma Jäger und Brommer wurde von dem Orgelbeauftragten der badischen Landeskirche, dR: Martin Kares, entwickelt.


IV. Die plastischen bildnerischen Elemente

  1. Beherrschend und überraschend die Idee des Architekten, einen ungewöhnlichen Glockenstuhl in die Wand einzusetzen. Auf der Glocke die Erinnerung an die Kirchenunion in Baden von 1821 und die Aufforderung Jesu, in diesem Haus sein Wort bestimmend sein zu lassen : „Kommt, denn es ist alles bereit. (Lukas 14,17)“ - die EInladung Jesu zum Abendmahl.
  2. Das Standkreuz knüpft an Geschichte und Tradition des Gesamthauses an. Das Kruzifix, möglicherweise noch aus dem ursprünglichen „Haus Charlottenruhe“, hatte schon in der allerersten Kapelle an der Altarwand gehangen. Für den nunmehr größeren Raum konnte es erhöht werden und – exponiert – im Mittelpunkt der Kapelle Raum und Aussage finden. Zeichen, in wessen Namen sich Menschen hier versammeln. Man kann hingehen, betrachten, Einzelheiten wahrnehmen – Christus mitten unter uns.
  3. Der Engel über der Empore wurde – wie 1956 das Kruzifix im Vortragssaal der Tagungsstätte – von dem 1925 in Stuttgart geborenen Bildhauer Emil Jo Homolka (Königsfeld) im Jahre 1972 für die frühere Kapelle geschaffen. Vor deren Eingang war es der Engel, der den Besucher willkommen hieß.
  4. Diese Funktion hat jetzt als Inschrift über der Kapellentür ein Wort des Propheten Jesaja übernommen; es ist das Wort für den Sonntag, an dem die Kapelle im Januar 1997 wieder eingeweiht wurde: „... die Herrlichkeit des Herrn geht auf über Dir.“